Thenmayer (Hrsg)Arbeitsrecht im digitalen Zeitalter – Arbeitsrechtliche Gestaltungsmöglichkeiten durch digitale Technologien
Die Herausgeberin, Maga Florina Thenmayer, ist Rechtsanwältin und auch die zahlreichen Autor:innen sind fast alle ebenfalls in Rechtsanwaltskanzleien tätig. Das merkt man in jeder Zeile. Der Praxisbezug und der Anspruch, Rechtssuchende verständlich, aber auch sehr präzise durch alle Wirrnisse des nationalen sowie europäischen Rechts zu führen, ist sehr gut erkennbar. Die bearbeiteten Themen sind weit gestreut: Die Autor:innen setzen sich beispielsweise mit dem digitalen Ansatz im Recruiting Prozess, mit der Arbeitszeit oder der Telearbeit auseinander; dabei stellen sie sich mutig Fragen, die in der Lehre gar nicht gern vertiefend analysiert werden, wie beispielsweise die regelmäßige Erreichbarkeit beim Smartphone privat- oder öffentlich-rechtlich zu bewerten ist, oder scheuen auch nicht davor zurück, detailliert zu beschreiben, wie nach der Bildschirmarbeitsverordnung (BS-V) Bildschirme und Tastatur eingerichtet und ausgestattet werden müssen.
Auf besondere Wertschätzung des Verfassers der Rezension stieß der Aufsatz der Herausgeberin, den sie gemeinsam mit dem Autor, Dr. Stanislav Nekrasov, über Remote Work-Grenzüberschreitende Aspekte verfasste. Hier wird mit aller Sorgfalt und umfassend alles arbeitsrechtlich und sozialversicherungsrechtlich Wesentliche behandelt und auch die steuerlichen Aspekte von grenzüberschreitender Remote-Arbeit sehr gut lesbar aufgearbeitet. Allein diese 50 Seiten dieses Buches werden allen Leser:innen, die berufsbedingt mit der Realität konfrontiert sind, dass AN nicht immer nur im Betrieb ihres AG, sondern auch häufig aufgrund verschiedener betrieblicher Strukturen in anderen Ländern arbeiten oder von sich aus in einem anderen Land für einen österreichischen AG arbeiten, eine große Hilfe sein.
Weitere Kapitel dieses Buches beschäftigen sich mit dem Internet, E-Mails und der KI in der Arbeitswelt, erläutern Mitwirkungsrechte des BR, weisen auf typische Fallstricke und Probleme in der Praxis hin und geben dem interessierten Leser Hinweise, wie die Nutzung zu gestalten ist, dass Verstöße, insb gegen den Datenschutz, nicht eintreten. Im Kapitel über den Betrieb im digitalen Zeitalter werden letztlich grundsätzliche Fragen zum AN-Begriff, Betriebsbegriff, zu den internationalen Dimensionen des Arbeitsverfassungsrechts und zuletzt zu den erst in letzter Zeit arbeitsrechtlich beleuchteten Matrixstrukturen erläutert.
Das Buch ist gut lesbar (soweit es die Materie natürlich zulässt), enthält zahlreiche Fallbeispiele und Checklisten. Das Buch ist zweifellos ein Gewinn für all jene, die sich mit diesen Rechtsfragen in der Praxis beschäftigen (müssen).